Kunstmuseum Basel - Museum für Gegenwartskunst - Sammlung Online

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Arlequin assis
  • Arlequin assis, 1923
Sitzender Harlekin
Seated Harlequin
  • Öl auf Leinwand
  • 130.2 x 97.1 cm
  • Signiert und datiert unten rechts: Picasso [unterstrichen] / 23
  • Kunstmuseum Basel, Depositum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel 1967
  • Inv. G 1967.9
Der Harlekin, eine der Figuren der Commedia dell’Arte, und Identifikation für den Künstler im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, ist ein wiederkehrendes Motiv bei Picasso. Den Akrobaten, Theater- und Zirkusleuten begegnete er in den Kabaretts und Cafés in Barcelona und Paris. Er und seine Freunde besuchten Zirkusaufführungen und ab 1917 entwarf er Bühnenbilder und Kostüme für Produktionen der Pariser Ballets Russes von Serge Diaghilew. Das prachtvolle Flickengewand des Porträtierten hatte Picasso von Jean Cocteau geschenkt erhalten, als dieser ihn für die Mitarbeit bei den Ballets Russes zu gewinnen suchte. Jacinto Salvadó (1892–1983), ein katalanischer Maler, sass 1923 in diesem Anzug Modell. Es entstanden mehrere Versionen sitzender Harlekins auf Leinwänden im Format 130 auf 97 cm.

Im Basler Bild hat der ernste Harlekin den Kopf leicht ins Profil gedreht und sitzt in gefasster Haltung mit in die Ferne schweifendem Blick. Er wird von Picasso in einer Verkaufsliste „verkauft an Paul Rosenberg“ als «Arlequin profil» bezeichnet (Geelhaar, Picasso, 1993, S. 148). Eine weitere Fassung «Arlequin clair» («Arlequin assis», Zervos Bd. 5/1952, Nr. 37, Abb. S. 22), auf welcher der Kopf frontal gedreht ist, so dass die langen Spitzen des Zweispitzes sichtbar sind, gehört einer privaten Sammlung. Mit einem dunkleren Hintergrund, skizzenhaft und nur in Ansätzen farbig gemalt ist die Variante «Arlequin fonds foncé» («Le peintre Salvado en arlequin», Zervos Bd. 5/1952, Nr. 17, Abb. S. 11), die sich heute im Musée national d’art moderne in Paris befindet. Der Harlekin mit gekreuzten Händen («Arlequin les mains croisées», Zervos Bd. 5/1952, Nr. 135, Abb. S. 67), ein schematisierteres Porträt, ist in der Sammlung des Museum Ludwig in Köln.

Die Kombination skizzenhafter, zeichnerischer Pinselstriche mit malerischen Elementen ist damals für ein grossformatiges Porträt in Öl ungewöhnlich und verleiht dem repräsentativen Bild etwas Informelles. Die Farbe ist dünn aufgetragen und wirkt durch die Beimischung von Weiss gedämpft und matt. Die rosa und blauen Schattierungen von Gewand und Figur erinnern an Picassos blaue und rosa Periode Anfang des 20. Jahrhunderts.

Der Basler Rudolf Staechelin (1881–1946) hatte das Bild 1924 gekauft. Es blieb im Besitz der Familie Staechelin bis es 1967 zusammen mit Picassos «Les deux frères» (Inv. G 1967.8) von 1906 zum Verkauf stand. Dank grosser Bemühungen der Bürger der Stadt konnten beide Bilder nach einem Regierungsbeschluss und einer Volksabstimmung mit öffentlichen und privaten Mitteln für die Stadt Basel erworben werden. Ein ungewöhnliches Ereignis in der Geschichte des Basler Kunstmuseums und der Museen überhaupt. Als Picasso davon hörte, schenkte er der Stadt Basel vier weitere Werke (Inv. G 1967.11, G 1967.12, G 1967.13, 1967.106).
Literatur- Exhibition of Recent Works by Picasso, Ausst.-Kat. Wildenstein Galleries, New York, Nov. – Dez. 1923; Arts Club Chicago, im Art Institute of Chicago, 18. Dez. 1923 – 21. Jan. 1924, 1923, S. n. p.

- Meister des XIX. Jahrhunderts, Ausst.-Kat. Kunsthalle Basel, 27. Sept. – 25. Okt. 1931, Basel: Kunsthalle, 1931, S. 7, Nr. 77

- Christian Zervos: Pablo Picasso, 33 Bde., Paris: Ed. "Cahiers d'Art", 1932–1978, Bd. 5 ( S. 1952), Nr. 23, Abb. Tf. 15

- Sammlung Rudolf Staechelin, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Basel, 13. Mai – 17. Juni 1956, Basel: Kunstmuseum, 1956, S. 48, Nr. 56, mit Tf.

- Fondation Rodolphe Staechelin. De Corot à Picasso, Ausst.-Kat. Musée national d'art moderne, Paris, 10. Apr. – 28. Juni 1964, Paris: Société des amis du Musée national d'art moderne, 1964, Nr. 46, mit Abb. (n. p.)

- Kunstmuseum Basel. Katalog. Ergänzung zum III. Teil: Das 20. Jahrhundert. Neuerwerbungen 1962–1968, Basel: Öffentliche Kunstsammlung, 1969, Abb. S. 20

- Öffentliche Kunstsammlung Basel. Katalog 19./20. Jahrhundert, mit einem Essay von Franz Meyer, Basel: Kunstmuseum, 1970, S. 288, mit Abb.

- Öffentliche Kunstsammlung Basel, Jahresberichte 1967–1973, Basel: Öffentliche Kunstsammlung, 1975, S. 5, 11, 15, Abb. S. 7

- Picasso. Aus dem Museum of Modern Art New York und Schweizer Sammlungen, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Basel, 15. Juni – 12. Sept. 1976, mit Kommentaren von William Rubin, Franz Meyer, Zdenek Felix, einem Beitrag von Reinhold Hohl und einem Text von Nikolaus Meier zur Picasso-Literatur, Basel: Kunstmuseum, 1976, S. 94–96, Nr. 46, Abb. S. 95

- European Master Paintings from Swiss Collections. Post-Impressionism to World War II, Ausst.-Kat. The Museum of Modern Art, New York, 26. Okt. 1976 – 11. März 1977, mit einem Beitrag von John Elderfield, New York: The Museum of Modern Art, 1976, S. 86, Abb. S. 87

- Pablo Picasso. A Retrospective, Ausst.-Kat. Museum of Modern Art, New York, 22. Mai – 16. Sept. 1980, Hrsg. William Rubin, New York: Museum of Modern Art, 1980, S. 223, Abb. S. 241

- Georg Schmidt: Kunstmuseum Basel. 150 Gemälde. 12.–20. Jahrhundert, Hrsg. Verein der Freunde des Kunstmuseums, 6. Aufl. (1. Aufl. 1964), Basel, 1988, S. 178, Abb. S. 179

- NAFEA. Die Sammlung Rudolf Staechelin Basel / La collection Rudolf Staechelin Bâle, Hrsg. Rudolf Staechelin'sche Familienstiftung Basel, Autor: Hans-Joachim Müller, mit Beiträgen von: Christian Geelhaar, Franz Meyer, Simon de Pury, Ruedi Staechelin, Basel: Wiese Verlag, 1990, S. 23, 32–33, 43, 45–46, 48–49, 157, 164, 175, 197, Abb. S. 33

- Dietmar Elger: Pablo Picasso: Die Wahrheit der Bilder, in: Die Metamorphosen der Bilder, Ausst.-Kat. Sprengel Museum, Hannover, 15. Nov. 1992 – 7. Feb. 1993, Hannover, 1992, S. 67–84, S. 75–76

- Christian Geelhaar: Kunstmuseum Basel. Die Geschichte der Gemäldesammlung und eine Auswahl von 250 Meisterwerken, Basel: Verein der Freunde des Kunstmuseums Basel und Zürich: Eidolon, 1992, S. 191–192, Abb. 202

- Christian Geelhaar: Picasso. Wegbereiter und Förderer seines Aufstiegs 1899–1939, Zürich: Palladion Verlag, 1993, S. 145–148, 150, 164, 243, 244, 285 (Fn. 153, 156), Abb. 140, 144

- Michael Baumgartner und Hans Christoph von Tavel: Die Sammlung Karl und Jürg Im Obersteg, Hrsg. Stiftung "Sammlung Karl und Jürg Im Obersteg", Bern, Bern: Benteli Verlag, 1995, S. 19

- Picasso and Portraiture. Representation and Transformation, Ausst.-Kat. The Museum of Modern Art, New York, 28. Apr. – 17. Sept. 1996; Grand Palais, Paris, Oct. 1996 – Jan. 1997, mit Beiträgen von Anne Baldassari, Pierre Daix u. a., Hrsg. William Rubin, 1996, S. 321, Abb. S. 327

- Picasso's Neoclassicism II 1922–1924. The Picasso Project, San Francisco: Alan Wofsy Fine Arts, 1996, Nr. 23-037, Abb. S. 119

- Öffentliche Kunstsammlung Basel. 20. Jahrhundert, Hrsg. Öffentliche Kunstsammlung, Basel: Kunstmuseum, 1997, Abb. S. 205

- Picasso und die Schweiz. Meisterwerke aus Schweizer Sammlungen, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Bern, 5. Okt. 2001 – 6. Jan. 2002, Hrsg. Marc Fehlmann und Toni Stooss, Bern: Stämpfli, 2001, S. 369, Nr. 77, Abb. Tf. 77 (nicht ausgestellt)

- Painting on the Move, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Basel, Museum für Gegenwartskunst Basel und Kunsthalle Basel, 26. Mai – 8. Sept. 2002, Hrsg. Bernhard Mendes Bürgi und Peter Pakesch, Basel: Schwabe Verlag, 2002, Abb. S. 64

- Gian Casper Bott: Kunstmuseum Basel (Museen der Schweiz), Genève: Stiftung BNP Paribas Schweiz / Zürich: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, 2004, S. 70, 71, Nr. 88, Abb. S. 71

- Die Sammlung Im Obersteg im Kunstmuseum Basel, Kunstmuseum Basel, 14. Febr. – 2. Mai 2004, hrsg. von der Stiftung Im Obersteg, Basel: Schwabe Verlag, 2004, S. 14–15

- Picasso. Die Sammlung Ludwig. Zeichnungen, Gemälde, Plastische Werke, Hrsg. Kasper König und Ulrich Wilmes; Konzeption von Evelyn Weiss und Maria Teresa Ocaña, mit Beiträgen von Pierre Daix u. a., München u. a.: Prestel, 2004 (Ausst.-Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 13. März – 27. Juni 2004, Originalausgabe von 1992 hrsg. von Evelyn Weiss und Maria Teresa Ocaña), Nr. 31 (als Vergleich)

- Uwe Schneede: Der Traum vom Glück. Pablo Picasso und Oskar Kokoschka im Kunstmuseum Basel. Pablo Picasso: Sitzender Harlekin; Oskar Kokoschka: Die Windsbraut, in: Basler Zeitung, Kultur. Lieblingsbild, 21. Nov. 2008, S. 213

- Kunstmuseum Basel. Die Meisterwerke. Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Installationen, Videos, Hrsg. Bernhard Mendes Bürgi und Nina Zimmer, Ostfildern: Hatje Cantz, 2011, S. 172, Nr. 82, Abb. S. 173

- Die Picassos sind da! Eine Retrospektive aus Basler Sammlungen, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Basel, 17. März – 21. Juli 2013, kuratiert von Anita Haldemann und Nina Zimmer, mit Beiträgen von Anita Haldemann, Henriette Mentha, Christian Spies, Anne-Christine Strobel, Seraina Werthemann und Nina Zimmer, Ostfildern: Hatje Cantz, 2013, S. 26, 30, 105, 120, Nr. 48, Abb. S. 113